Teil 8 der 1001 Waldgeschichten: Wegweiser ins Glück
In seiner stillen Verzweiflung, die tief in seinen Gedanken nistet, steht der Mann am offenen Fenster seiner kleinen Wohnung. Die Luft ist schwer, als würde sie seine Last mittragen, und das Flüstern des Windes trägt seine unausgesprochenen Bitten hinaus in die endlose Weite des Universums. „Ein Zeichen“, murmelt er, fast ohne es zu bemerken, „nur ein Zeichen...“
Dann, als hätte das Universum seine stumme Bitte erhört, durchbricht ein leises Brummen die Stille. Er folgt dem Geräusch, das in seiner Nähe verharrt, und findet einen Maikäfer, der auf dem Rücken an der Fensterscheibe liegt. Seine winzigen Beine strampeln hilflos in der Luft, als kämpfe er gegen eine unsichtbare Macht.
Mit sanfter Hand neigt sich der Mann dem Käfer zu und hält ihm seinen Zeigefinger hin. Der Käfer klammert sich an das rettende Angebot, verharrt einen Moment auf der Spitze des Fingers, wie ein Wanderer, der sich auf die nächste Etappe vorbereitet. Die Fühler des kleinen Wesens zittern, als würde es noch ein letztes, wortloses Zeichen geben – ein Flüstern von Zuversicht und Bestimmung.
Dann hebt sich der Käfer mit einem leisen Brummen in die Abenddämmerung und verschwindet in den Schatten des nahenden Nachthimmels. Der Mann bleibt mit ausgestrecktem Finger zurück. Sein Blick folgt der Linie seines Fingers, die sich in die Ferne erstreckt.
Ein Gedanke formt sich, leise, doch beständig. Vielleicht ist dies das Zeichen, das er so verzweifelt gesucht hatte. Er lässt den Arm sinken, aber die Richtung bleibt ihm eingeprägt. Ohne weiter nachzudenken, beginnt er zu gehen – in die Richtung, die ihm sein eigener Finger gezeigt hat.
Er läuft und läuft, bis die vertrauten Straßen und Häuser hinter ihm verblassen. Der Weg führt ihn immer tiefer in die Natur, bis er sich schließlich mitten im Wald wiederfindet. Hier, in der Stille der Bäume, umgeben von dem sanften Rascheln der Blätter, wird ihm plötzlich bewusst: Er ist zuhause angekommen.
Der Wald, die Dunkelheit, das Rascheln – alles wirkt so vertraut, als hätte er seinen Platz in der Welt endlich gefunden. Das Zeichen, das er erbeten hat, ist nicht nur der Käfer gewesen, sondern der Weg, den er nun beschreitet. Mit einem letzten Blick auf den endlosen Himmel nimmt er die Stille des Waldes in sich auf, wissend, dass dies der Ort ist, an dem seine Reise endet – oder vielleicht erst beginnt.