Teil 6 der 1001 Waldgeschichten: Sanfte Pfoten auf wachsamen Wegen

Er ist ein harter Kerl, selbstbewusst und taff. Er mag neuerdings Überlebenstrainings und begibt sich an diesem Wochenende in ein neues Abenteuer in der Natur – die Übernachtung im Wald.

Der weiche Waldboden dämpft seine Schritte, und die Geräusche der Vögel und das Rascheln der Blätter versetzen ihn in einen meditativen Zustand.

Während er den Pfad entlanggeht, stößt er auf einen kleinen, versteckten Abschnitt des Waldes, wo die Bäume dichter stehen und das Licht sanft durch die Äste scheint. Er setzt sich auf einen großen Felsen und wartet auf die anbrechende Nacht.

Der Anblick des Waldes schärft seine Sinne. Mit seinen Sinnen kommen schließlich auch seine Gefühle aus der Dunkelheit, die er nicht zu fühlen gewagt hatte. Er fühlt den Schmerz der fehlenden Anerkennung, er fühlt das große Glück, eine wundervolle Familie zu haben, er fühlt Wut über all die ungerechten Ermahnungen, er fühlt und fühlt. Die Gefühle der letzten zwanzig Jahre kämpfen sich an die Oberfläche, und er erkennt darin sein wahres Ich. Der Wald scheint ihm zuzuflüstern: „Alle Gefühle dürfen sein.“

In diesem Moment der Stille, während die Natur um ihn herum in sanften, beruhigenden Farben leuchtet, erkennt er, dass er nicht länger hinter einer Mauer aus Schutz und Abwehr leben will. Er will sich den Emotionen und der Verletzlichkeit stellen, die er lange Zeit vermieden hat.

Tränen laufen ihm über die Wangen, als er in der Schönheit der Natur versinkt und eine unbändige Freude spürt. Echte Männer weinen nicht! Oder doch?

Zurück
Zurück

Teil 7 der 1001 Waldgeschichten: Meine Superkraft

Weiter
Weiter

Teil 5 der 1001 Waldgeschichten: Aufbruch ins Jetzt